Welchen Einfluss haben KI-Systeme auf den Journalismus in Demokratien?

Ein Interview mit Prof. Dr.-Ing. Jan Wörner, Co-Vorsitzender der Plattform Lernende Systeme und Präsident acatech, Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Prof. Dr.-Ing. Jan Wörner, Co-Vorsitzender der Plattform Lernende Systeme und Präsident der acatech, Deutsche Akademie der Technikwissenschaften.

Künstliche Intelligenz wirkt wie ein Katalysator für Veränderungen, die im Journalismus bereits durch die Digitalisierung begonnen haben. Eine Rückbesinnung auf journalistische Prinzipien wird unumgänglich. KI-Systeme sind deshalb Chance und Herausforderung zugleich für den Journalismus in Demokratien.

Eine Chance sind sie, weil sie zielgerichtet unterstützen können – und zwar in allen Phasen journalistischer Produktion. Von der Recherche über die Produktion und Distribution sind KI-Tools bereits in Redaktionen im Einsatz. Prozesse werden verschlankt und beschleunigt, zeitintensive Routinearbeiten können an KI-Systeme delegiert werden. Es wird Zeit frei für kreative Arbeit, für Recherche, für den direkten Kontakt und Austausch mit Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie mit Bürgerinnen und Bürgern.

Eine Herausforderung sind KI-Systeme, weil sie teilweise noch zu fehleranfällig sind, um bestimmte Arbeiten zuverlässig zu erledigen. Auch die Qualität der Datensätze, mit denen die Systeme trainiert werden, muss überprüft werden. Mangelhafte Daten können zu verzerrten Ergebnissen und Einschätzungen führen und den journalistischen Grundsätzen von Objektivität und Wahrheitsgehalt zuwiderlaufen. Viele Systeme werden von großen Technologie-Unternehmen angeboten. Das birgt die Gefahr, in eine Abhängigkeit zu geraten. Hinzu kommt: Viele Menschen misstrauen den Medien. Der Einsatz von KI in journalistischen Produkten könnte dies noch verstärken. Redaktionen sollten deshalb transparent machen, wie umfangreich und auf welche Art und Weise sie KI einsetzen.

Künstliche Intelligenz führt also dazu, dass journalistische Tugenden und Prinzipien wichtiger denn je werden. Der Journalismus in Demokratien muss seine Prozesse an diesen messen und davon ableiten. Nur so kann er seine Aufgabe erfüllen und mit einer ausgewogenen, faktenbasierten und wahrhaftigen Berichterstattung Grundlage für eine demokratische Meinungsbildung sein.

Beitrag erschienen in:

DUZ – Magazin für Wissenschaft und Gesellschaft
Februar 2025

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