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3 Fragen an

Rahild Neuburger

Operative Leiterin der Forschungsstelle „Information, Organisation und Management“ an der LMU Munich School of Management / Geschäftsführerin MÜNCHNER KREIS

KI-Agenten in Unternehmen: „Delegation von Aufgaben und Verantwortung muss neu gedacht werden“

Wenn Künstliche Intelligenz (KI) nicht mehr nur assistiert, sondern Aufgaben selbstständig ausführt, verändert das den Unternehmensalltag grundlegend. Generative KI kann Beschäftigte bei Inhalten, Wissen und Entscheidungen unterstützen. KI-Agenten gehen noch einen Schritt weiter – sie können Arbeitsabläufe planen, koordinieren und ausführen. Damit verändern sich Tätigkeiten, Rollen und Organisationsstrukturen grundlegend, aber auch die Anforderungen an Kompetenzen.  

Welche neuen Möglichkeiten und Veränderungen sich im Arbeitsalltag ergeben und wie es Unternehmen gelingen kann, das synergistische Potenzial der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine verantwortungsvoll zu gestalten, erklärt Rahild Neuburger im Interview. Sie ist operative Leiterin der Forschungsstelle „Information, Organisation und Management“ an der LMU Munich School of Management sowie Geschäftsführerin des MÜNCHNER KREIS und Mitglied der Arbeitsgruppe „Arbeit/Qualifikation, Mensch-Maschine-Interaktion“ der Plattform Lernende Systeme.

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Frau Neuburger, wann wird aus einem KI-Assistenten ein eigenständig handelnder Akteur?

Rahild Neuburger: Ein KI-Assistent wird dann zu einem eigenständig handelnden Akteur, wenn er nicht mehr nur einzelne, klar definierte Anfragen bearbeitet, sondern selbstständig ein Ziel verfolgt, dafür notwendige Arbeitsschritte plant und entsprechende Aktionen ausführt. Während ein klassischer Assistent auf konkrete Eingaben reagiert, Informationen zusammenfasst oder Vorschläge erstellt, kann ein KI-Agent eigenständig bestimmen, welche nächsten Schritte erforderlich sind, welche Werkzeuge und Datenquellen er nutzt, welche Teilaufgaben gegebenenfalls an andere Agenten delegiert werden und wann eine Aufgabe als abgeschlossen gilt. Dazu kann auch gehören, auf Unternehmenssysteme zuzugreifen, Prozesse anzustoßen, Informationen zu überprüfen und das eigene Vorgehen an neue Situationen anzupassen.

Entscheidend ist dabei der Grad der Autonomie. Dieser reicht von einfachen Assistenzfunktionen bis hin zu Agenten, die mehrstufige Aufgaben und Prozesse weitgehend selbstständig bearbeiten. Arbeiten mehrere spezialisierte Agenten koordiniert zusammen, spricht man von Multi-Agenten-Systemen.

Auch autonome KI-Agenten oder Multi-Agenten-Systeme benötigen jedoch klare Grenzen. Zugriffsrechte, Entscheidungsbefugnisse, Kontrollmechanismen, Eskalationsregeln sowie die Aufgabenverteilung zwischen Mensch und KI müssen eindeutig definiert sein. Eigenständiges Handeln bedeutet daher nicht vollständige Unabhängigkeit, sondern Handlungsfähigkeit innerhalb eines klar vorgegebenen organisatorischen und technischen Rahmens.

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Welche Potenziale ergeben sich für Unternehmen und Mitarbeitende durch den Einsatz von KI-Agenten?

Rahild Neuburger: KI-Agenten können Unternehmen dabei unterstützen, nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern ganze Prozessketten effizienter zu gestalten. Sie können Informationen aus verschiedenen Systemen zusammenführen, Aufgaben koordinieren, Analysen durchführen, Entscheidungen vorbereiten und definierte Aktionen selbstständig auslösen und durchführen. Dadurch lassen sich Prozesse beschleunigen, administrative Aufwände reduzieren und Mitarbeitende entlasten. Zudem können KI-Agenten rund um die Uhr arbeiten und insbesondere bei datenintensiven oder wiederkehrenden Aufgaben für höhere Geschwindigkeit und Konsistenz sorgen.

Für Mitarbeitende liegt das Potenzial vor allem in der Entlastung von zeitaufwendigen Aufgaben und Routineprozessen. Recherche, Dokumentation, Datenaufbereitung, die Bearbeitung von Standardanfragen oder bestimmte organisatorische Aufgaben können teilweise von Agenten übernommen werden. Die dadurch gewonnene Zeit lässt sich beispielsweise für komplexere Tätigkeiten, bei denen menschliches Urteilsvermögen, Kreativität und strategisches Denken besonders wichtig sind, für Kommunikation, persönliche Weiterbildungsmaßnahmen oder auch Erholung nutzen. Gerade, wenn der Einsatz von KI-Agenten zu einer zunehmenden Verdichtung von Arbeit führt, wird dies immer wichtiger.

Schließlich können KI-Agenten Wissen und Fähigkeiten der Mitarbeitenden erweitern, wenn diese im Zuge der Interaktion und Zusammenarbeit mit KI-Agenten komplexere und schwierigere Aufgaben durchführen können als vor dem Einsatz der KI-Agenten. So können Mitarbeitende beispielsweise komplexe Datenanalysen durchführen oder Informationen aus großen Wissensbeständen nutzen, ohne selbst Spezialisten in jedem Bereich sein zu müssen.

Insofern entsteht der größere Nutzen vielleicht nicht allein durch Automatisierung, sondern v.a. dadurch, dass Mitarbeitende mit Hilfe von KI-Agenten schneller handeln, fundierter entscheiden und größere Aufgabenbereiche bewältigen können. Dies umso besser, je mehr es gelingt, persönlich zugeschnittene KI-Agenten zu entwickeln.

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Was ist notwendig, damit KI befähigend für die Mitarbeitenden wirken kann?

Rahild Neuburger: Damit KI für Mitarbeitende befähigend wirkt, reicht die reine Bereitstellung neuer KI-Tools nicht aus. Entscheidend ist zunächst, dass Beschäftigte verstehen, wie KI funktioniert, für welche Aufgaben sie geeignet ist und wo ihre Grenzen liegen. Dafür braucht es gezielte Qualifizierung, praxisnahe Schulungen und ausreichend Raum, neue Anwendungen eigenständig und im jeweiligen Arbeitskontext zu erproben.

Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, KI-generierte Ergebnisse kritisch zu hinterfragen, auf Plausibilität zu prüfen und mit dem eigenen Fachwissen abzugleichen. Mitarbeitende sollten dabei ausdrücklich darin bestärkt werden, dem eigenen Urteilsvermögen zu vertrauen – auch dann, wenn KI schneller oder auf den ersten Blick überzeugender erscheint.

Gleichzeitig sind klare organisatorische Leitplanken erforderlich. Dazu gehören transparente Regeln zum Umgang mit Daten, nachvollziehbare Verantwortlichkeiten und definierte Kriterien für die Überprüfung von Ergebnissen. KI sollte nicht als Ersatz für Fachwissen verstanden werden, sondern als Werkzeug, das menschliche Fähigkeiten gezielt erweitert: Sie kann Routineaufgaben übernehmen, Informationen schneller aufbereiten, den Zugang zu Wissen verbessern, neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen, individuelle Lernprozesse unterstützen und dabei unterstützen, die tägliche Arbeitsbelastung besser zu organisieren. Gerade dann, wenn der Einsatz von KI gleichzeitig zu einer stärkeren Verdichtung von Arbeit führt, ist dieser Aspekt von besonderer Bedeutung.

Befähigend wirkt KI letztlich dann, wenn Mitarbeitende KI-Tools ausprobieren dürfen, KI-Kompetenzen aufgaben- und kontextbezogen aufbauen können und im Unternehmen ein offenes KI-Mindset gefördert wird, sich mit KI offen und kritisch-reflektiert auseinanderzusetzen. Insofern geht es nicht nur um reine Qualifikation, sondern vor allem auch um die Gestaltung organisatorischer und kultureller Rahmenbedingungen.

Das Whitepaper „Generative KI und KI-Agenten in Unternehmen“ steht hier zum Download zur Verfügung.

Das Interview ist für eine redaktionelle Verwendung freigegeben (bei Nennung der Quelle © Plattform Lernende Systeme).

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