„KI nutzen!“: Region Mainz mit starkem KI-Ökosystem aufgestellt
Künstliche Intelligenz (KI) ist in vielen Unternehmen bereits angekommen und schafft Potenziale für effizientere Prozesse, neue Geschäftsmodelle und die Entlastung von Beschäftigten. Wie insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Start-ups KI sinnvoll, sicher und wirtschaftlich in ihren Arbeitsabläufen einsetzen können und welche Rolle Qualifizierung, Mitbestimmung und regionale Netzwerke dabei spielen, diskutierten Fachleute aus regionalen Unternehmen wie die Schott AG, Start-ups, Verbänden, Wissenschaft und Sozialpartnerschaft beim Diskussionsabend „KI nutzen! Potenziale für Betriebe in der Region Mainz“. Die Veranstaltung fand am 17. September in Mainz statt und wurde gemeinsam von der VDI Technologiezentrum GmbH und der Plattform Lernende Systeme organisiert.
Vor rund 80 Teilnehmenden präsentierte sich Mainz als leistungsfähiger und lebendiger KI-Standort mit einem vielfältigen Innovations- und Fördernetzwerk mit besonderen Potenzialen unter anderem in den Bereichen Biotechnologie, Ölproduktion, Glasverarbeitung und Materialwissenschaften. Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Wissenschaft, Verbänden und Sozialpartnerschaft betonten die Bedeutung des Austausches zwischen Forschung und Wirtschaft. Ebenso entscheidend sei die Vernetzung der regionalen Akteure, um Innovationen schneller in die betriebliche Praxis vor Ort zu bringen und Unternehmen auf ihrem Weg zu einem erfolgreichen KI-Einsatz zu unterstützen.
KI erfolgreich als Werkzeug einführen: Mehrwert identifizieren und Menschen mitnehmen
Wie eine erfolgreiche und verantwortungsvolle KI-Einführung gelingen kann und welche Schritte dabei entscheidend sind, stellte Professor Tobias Walter von der Hochschule Mainz in seinem Impulsvortrag vor: offen sein, klein starten, Potenziale erkennen, Daten, Modelle Anbieter sorgfältig auswählen sowie Erfahrungen teilen und Unterstützung im Netzwerk suchen. Gerade für KMU sei es wichtig, geeignete Anwendungsfelder auszuwählen und souveräne Infrastrukturen aufzubauen.
Da die Einsatzmöglichkeiten von KI so vielseitig sind, gilt es im ersten Schritt zu identifizieren, in welchen Bereichen die Technologie einen tatsächlichen Mehrwert schafft, betonte Dr. Fabian Etzold, Head of Data Science bei der SCHOTT AG. Voraussetzungen seien zudem eine gute Qualität der Daten und entsprechend geschulte Mitarbeitende, die die Datenbasis realistisch einschätzen können. Interessenvertretungen sollten daher frühzeitig in die Einführung und Nutzung von KI einbezogen werden, um den Prozess zu begleiten, Ängste abzubauen sowie Verständnis und Vertrauen schaffen, so Sascha Kopp, Vorsitzender des Betriebsrates der SCHOTT AG. „Die Menschen mitzunehmen, ist ein entscheidender Aspekt für einen gelingenden KI-Einsatz“, so das Credo der Diskussionsbeteiligten.
Für Unternehmen bedeutet dies, sich auch intensiv mit den rechtlichen Anforderungen auseinanderzusetzen und ihre Mitarbeitenden entsprechend zu sensibilisieren und zu qualifizieren, erklärte Christoph Reich als Rechtsanwalt.
Angesichts zunehmender technischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen sind klare politische und rechtliche Rahmenbedingungen wie die europäische KI-Verordnung (AI Act) und betriebliche Compliance-Regelungen beim KI-Einsatz unverzichtbar. Sie schaffen Orientierung und helfen Unternehmen dabei, die Qualifizierung von Mitarbeitenden – etwa im Sinne der KI-Kompetenz nach Artikel 4 der KI-Verordnung –, Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse sowie das Urheber- und Markenrecht von Anfang an zu berücksichtigen.
Stellenwert von KI mit Blick auf die Zukunft
In den kommenden Jahren wird KI in Unternehmen weiter an Bedeutung gewinnen – nicht nur mit Blick auf effizientere Prozesse, so die einhellige Meinung. Auch die Befähigung der Beschäftigten, KI sicher und kompetent zu nutzen, wird zunehmend wichtiger. Mit Blick auf den Fachkräftemangel könne Automatisierung und KI dazu beitragen, auf die Veränderungen des Arbeitsmarktes zu reagieren, betonte Olga Mordvinova, CEO bei der incontext.technology GmbH. Zugleich müssen Unternehmen ihre digitale Resilienz stärken. Dazu gehört, auch für den Ausfall einzelner Systeme oder Anbieter gerüstet zu sein, so Professor Walter.
Mainz als leistungsfähiger KI-Standort mit einer lebendigen Innovationsinfrastruktur
Mit Industrie- und Handelskammer, Innovationsagentur, Hochschulen und weiteren Einrichtungen verfügt die Region über ein breites Unterstützungsangebot. Entscheidend sei, die Unternehmen gezielt an die passenden Ansprechpartner weiterzuvermitteln, wie Tim Avemarie-Scharmann, Manager Innovation und Transfer bei der Innovationsagentur Rheinland-Pfalz, betonte. Das Ziel laute daher: „KI regional einkaufen.“
Für den weiteren Weg gilt es, die Innovationsinfrastruktur auszubauen und den KI-Wandel aktiv zu gestalten. Denn KI wird zunehmend alle Lebens- und Arbeitsbereiche durchdringen. Dazu gehören eine stärkere Vernetzung der Wissenschaftszentren, mehr Rechenkapazitäten und die Gewinnung zusätzlicher Fachkräfte, so Professor Stefan Kramer von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und KI-Lotse des Landes Rheinland-Pfalz. Zugleich müssen die sozialen und kulturellen Auswirkungen von KI sowie die Veränderungen der Arbeitswelt frühzeitig berücksichtigt werden. Dazu zählt auch die Frage, wo bewusst KI-freie Räume geschaffen werden sollten – etwa an Hochschulen, um menschliche Urteilskraft und kritisches Denken zu stärken, wie es der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen zur Hochschulbildung im Zeitalter generativer KI anregt.
Beim anschließenden Get-together nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung. Regionale Partner präsentierten im Rahmen einer Mini-Messe KI-Anwendungen zum Ausprobieren. Dazu gehörten unter anderem das Steuern eines robotischen Greifarms oder Controlleurs via Mixed-Reality-Brille und das Erstellen eines individuellen Ganzkörper-Avatars mithilfe von KI. Beteiligt waren unter anderem die Hochschule Mainz, die Schott AG, die Innovationsagentur Rheinland-Pfalz, das regionale Zukunftszentrum für KI und digitale Transformation (RzzKI), die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) und der IT Klub Mainz & Rheinhessen e.V.
Die Veranstaltung in Mainz war Teil der Veranstaltungsreihe „KI nutzen! Potenziale für Betriebe in ihren Regionen“. Mit dem Format fördern die VDI Technologiezentrum GmbH und die Plattform Lernende Systeme den Austausch in den Regionen und bieten insbesondere KMU praxisnahe Orientierung für den KI-Einsatz. Die Veranstaltungsreihe steht im Zusammenhang mit der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) und wird im Frühjahr 2027 fortgesetzt.
Weitere Informationen:
Petra Brücklmeier
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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